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Vipassana Meditation

Meine Erfahrungen mit Vipassana Meditation in den Bergen von Kandy, Sri Lanka.

Von Ende Februar bis Anfang März besuchte ich das Dhamma Kuta Vipassana Meditations Zentrum, um 10 Tage zu meditieren. Das Wort Vipasssana bedeutet, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Die Regeln der Vipassana Meditation sind streng und es wird empfohlen, sich an diese zu halten, da man nur so, die Benefits der Meditation bekommt und natürlich auch aus Respekt vor der Meditationspraxis und die lange Traditionsgeschichte, die hinter Vipassana steckt. S.N. Goenka, ein ehrenwerter Mann aus Burma war Lehrer der Vipassana Meditation, bevor er 2013 in hohem Alter verstarb. Herr Goenka hat zehntausende von Menschen auf fast allen Plätzen der Welt gelehrt und ist somit wichtiger Ideologe dieser Meditationstechnik. Goenka sprach unter anderem auf dem Welt-Friedens-Gipfel, mit den Worten:“ dass Frieden in der Welt nur erreicht werden könne, wenn es auch Frieden im inneren der Individuen gäbe. Es kann keinen Frieden geben, wenn die Menschen Zorn und Hass in ihren Herzen tragen. Nur mit Liebe und Mitgefühl im Herzen ist Weltfrieden erreichbar.
Eine beeindruckende Persönlichkeit mit sehr viel Weitsicht und Güte. Ich hätte ihn gerne persönlich kennengelernt, aber uns Meditationsschülern blieb leider nur die Möglichkeit ihn anhand von altem Videomaterial erleben zu dürfen, dass jeden Abend von 7:30-8:30 abgespielt wurde. Dies war Teil des Tagesplans im Zentrum. In den Videobotschaften steckte jedoch soviel Mitgefühl, Wahrheit und Motivation, dass es gar nicht so schlimm war, das Goenka nicht persönlich im Raum war. In den Videos bekamen wir jeden Abend neue Instruktionen für unsere Meditationstechnik. So mussten wir die ersten drei Tage den Fokus auf die Nasenlöcher legen. Wir sollten genau beobachten, wie Luft ein und ausströmt, wie die Luft sich anfühlt, wie sie den Körper mit frischer Energie befüllt. Die Konzentration auf die Region der Nasenlöcher erforderte ständiges Beobachten und Achtsamkeit und wurde somit zu einer gar nicht so leichten Aufgabe. Der Sinn dahinter: in dem man die ersten Tage seinen Geist nur auf diese kleine Region lenkt, fällt es einem später nicht so schwer, die Konzentration auf Körperregionen oder sogar auf Organe zu legen und somit zu kontrollieren.

Zu den Regeln:

– die edele Stille: Stille von Körper, Sprache und Geist. Jede Art der Kommunikation wie Reden, Gesten, Augen Kontakt oder jeglicher Art von Ablenkung wie Lesen, Schreiben oder Kontakt mit dem Handy, ist untersagt.
– kein lebendes Wesen zu töten: damit sind auch Moskitos gemeint (was manchmal gar nicht so leicht zu realisieren war).
– nicht zu stehlen
– keine sexuelle Aktivität
– nicht zu lügen
– keine Rauschmittel irgendwelcher Art
– keine Nahrungsaufnahme nach 12:00 mittags (nur für erfahrende Schüler)
– jeden Morgen um 4:00 aufstehen, um pünktlich um 4:30 in der Meditationhalle zu sein.

Die Regeln klingen streng und ich war von Anfang an neugierig wie ich zum Beispiel mit dem Schweigen zurecht käme, aber es stellte sich heraus, dass ich es sogar als äusserst angenehm empfand, 10 Tage zu schweigen. Ich konnte mich 100% auf meinen Körper und Geist konzentrieren und bemerkte ganz aussergewöhnliche Dinge. So spürte ich zum Beispiel eine Sympathie oder Antipathie gegenüber meinen Mitmeditierenden, ohne das man sich vorher einen ersten Eindruck bilden konnte, da die äusserliche Kommunikation weg fiel. Die natürlichen, angeborenen Instinkte kamen hervor- so nahm ich wahr, dass mein Herz schneller schlug oder ich ein Zusammenziehen in der Bauchregion verspürte. Im Alltagsleben werden diese angeborenen Instinkte gar nicht mehr wirklich wahrgenommen, da man ständig mit so vielen Dingen abgelenkt ist. Die innere Sicht wurde in der Meditationszeit um 100% verbessert. Durch die geringe Nahrungsaufnahme über den Tag (kleines Frühstück um 6:30, Mittagessen um 11:00 und zwei Kekse mit Milchtee um 17:00) lies den Organismus herunterfahren. Ich stellte fest, das alles etwas langsamer geschah, die Bewegungen wurden langsamer, der Blutdruck und Blutzucker senkte sich- so das alles sehr achtsam geschehen musste. Es war nicht unangenehm, es war nur eine Beobachtung ohne Bewertung.
Beobachtung ohne Bewertung- dies war eine der Hauptbotschaften, die uns während der Meditationszeit vermittelt wurde. Die langen Zeiten der Sitzmeditation sollten wir mit dem Beobachtungssystem beleuchten. Zum Beispiel Schmerz. Schmerz ist nur ein Symptom, kreiert im eigenen Hirn. So versuchte ich mein eigenes Gehirn in eine andere Richtung zu trainieren, dass der Schmerz (der irgendwann aufgetreten ist, durch die unveränderliche Sitzhaltung) zu beobachten, zu fokussieren, aber an der Sitzhaltung nichts zu verändern, sondern zu akzeptieren, dass auch Schmerz nur eine kurze Episode ist, ein kommen und gehen. Nichts bleibt für immer, weil der Moment wie ein Fluss ist- alles bewegt sich kontinuierlich, unumgänglich, so auch mit dem Schmerz, so mit allem!
Frieden und Harmonie für einen Selbst und für alle anderen. Nur, wenn wir selbst lernen uns besser zu verstehen, in Harmonie mit uns zu sein, zu akzeptieren und uns selbst zu lieben, sind wir erst in der Lage auch anderen mit Liebe und Mitgefühl zu begegnen. Und so auch in Goenkas tiefer Rede auf dem Friedens Gipfel:“ durch inneren Frieden zum Weltfrieden.“ Schön wär’s.