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Gastbeitrag: Kreativitätstechniken für divergentes Denken im Berufsalltag.

Sind wir blockiert? Ja, sicher. Wir leben schließlich in einem Umfeld mit einer Vielzahl von Konformismen und Automatismen. Das ist jedoch keineswegs etwas Schlechtes, sondern vielmehr eine Notwendigkeit. Ohne die Übereinstimmung mit den Normen der Gesellschaft, in der wir leben, hätten wir es schwer.

Gut, die Vorteile der Konformität liegen auf der Hand, aber sie schränkt gleichzeitig unsere Kreativität ein. Dabei ist der Mensch von Natur aus kreativ. Jedes Kind beweist dies zum Beispiel mit seinen freien Gedankengängen. Mit der Kombination von Begriffen, die uns manchmal zum Lachen bringen, aber auch zum Nachdenken. Mit dem Erwachsenwerden beginnen die gesellschaftlichen Normen diese Kreativität einzuschränken oder besser, sie wird überlagert.

Alles schon erfunden? Keineswegs!

Das konvergente Denken, ein wichtiger Bestandteil der Konformität, beherrscht unseren Alltag. Wobei wir durchaus froh darum sein können. Konvergentes Denken ist im Grunde nichts anderes, als abgespeicherte Informationen abzurufen und logisch miteinander zu kombinieren. Das hilft bei der Formulierung von Fragen und Antworten genauso wie bei der Lösung von Matheaufgaben und vielen weiteren Dingen. Nur bei der wirklichen, der echten Kreativität hilft das konvergente Denken eher nicht. Aufgrund einer immer besser funktionierenden Infrastruktur wird der Kreativität allerdings immer weniger Platz eingeräumt, ein Merkmal vieler technisch hochstehender Gesellschaften.

Kreativität jedoch bringt den Menschen voran, während Konformität den Status quo erhält. Gerade im Berufsalltag besteht heute eine gegenseitige, unbewusste Blockade der Kreativität, da es wichtiger erscheint, die gestellten Aufgaben zu erfüllen. Das ist im Prinzip richtig, denn augenscheinlich werden wir genau dafür bezahlt. Allerdings neigt der Mensch dazu, der Aufgabenerfüllung immer mehr Raum zu geben, ohne dass eine Notwendigkeit dazu besteht. Einerseits aus Bequemlichkeit, andererseits aus Gründen des Selbstschutzes. Mit der Übererfüllung des Plansolls werden aber keine neuen Ideen geboren und ebenso keine Impulse gegeben. Es führt dazu, das die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit für viele Mitarbeiter verloren geht und am Ende die innere Kündigung steht oder die Abwanderung zu einem anderen Unternehmen. Für viele Firmen stellt dies heute ein Problem dar: Einerseits Mitarbeiter, die keine Befriedigung in ihrer Arbeit finden und andererseits keine neuen Ideen, welche ein Unternehmen konkurrenzfähig halten.

Mit Kreativtechniken neue Wege gehen

Der Gegenpart zum konvergenten Denken ist das divergente Denken oder auch das laterale Denken. Es stellt die Grundlage für echte Kreativität dar und lässt sich im beruflichen Alltag am besten mit entsprechenden Kreativitätstechniken umsetzen. Diese Techniken können ohne Schwierigkeiten in den beruflichen Alltag integriert werden, etwa indem sie bei Projektbesprechungen oder Team-Meetings Anwendung finden. Aber nicht nur für Gruppen sind die Kreativitätstechniken nützlich, Einzelpersonen können ebenso davon profitieren.

Kreativitätstechniken – Verschiedene Beispiele

„Brainwriting“ – Bei dieser Technik fixieren die Teilnehmer einer Gruppe eine Idee zu einem Thema schriftlich auf einem Blatt Papier. Dieses wird an den Tischnachbar weiter gereicht. Der Nachbar wiederum ergänzt die Idee mit eigenen Gedanken. Dieses Prinzip geht so lange, bis alle Blätter einmal die Runde gemacht haben. Im Anschluss werden die Blätter gemischt und wahllos unter der Gruppe verteilt. Jeder ist nun nacheinander aufgefordert, die seiner oder ihrer Meinung nach beste Idee darzulegen und dies zu begründen.

„Die ABC-Liste“ – Auch hier werden an die Teilnehmer Blätter ausgegeben, allerdings mit den Buchstaben des Alphabets darauf, untereinander notiert. Zu jedem Buchstaben können nun Ideen aufgeschrieben werden, die um eine Fragestellung kreisen. Diese Technik eignet sich sowohl für Einzelpersonen als auch für Gruppen.

„Die semantische Intuition“ – Bei dieser Kreativtechnik werden neue Produktideen gesucht, jedoch statt mit der Idee zum Produkt zu beginnen, wird mit dem Namen angefangen. Dazu werden aus einer Liste mit Hauptwörtern, die einen branchenspezifischen Bezug zum Unternehmen besitzen, zufällig zwei Wörter ausgewählt und zusammengesetzt. Dieses Doppelwort bildet nun die Basis zur Ideenfindung.

Dies sind nur drei Beispiele für eine Vielzahl von verschiedenen Kreativitätstechniken. Dem einen oder anderen werden diese Verfahren vielleicht etwas seltsam vorkommen, vielleicht wird auch der Begriff „kindisch“ fallen. Das ist gar nicht so weit davon entfernt, denn kindliche Kreativität bringt Ideen und Impulse und sie macht Spaß. Ohne Kreativität wären große und kleine Ideen nie geboren worden und letztlich baut auf der Kreativität die Konformität auf. Erst nach der Idee aus einem kreativen Prozess kann die Planung und Entwicklung beginnen, der die Konsolidierung folgt. Das ist nicht nur in Unternehmen so, das ist die Grundstruktur jeder höheren Gesellschaftsform. Daraus schöpfen Menschen Befriedigung und Erfüllung, im Beruf und auch im privaten Umfeld.

Jiri Scherer und Chris Brügger sind Inhaber der Denkmotor GmbH. Sie haben langjährige Erfahrung als Innovationsberater und Kreativitätstrainer und sind Autoren verschiedener Bücher und Artikel rund um die Themen Innovation, Kreativität und Simplicity.

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