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Kurzgeschichte über das Aufschieben

Als Herr Renner eines Tages eine Museumstour durch Berlin plante, musste er als aller erstes einen Zeitrahmen planen. Herr Renner hat immer sehr viel zu tun.

Er setzte sich ein konkretes Ziel, an welchem Tag er in welches Museum geht und orientierte sich anhand von Zielhierachien, wann genau dieser Tag der geeignete sei.

Er begründete sein Ziel indem er sich immer wieder sagte: „Ich muss mich kulturell weiterbilden.“ Die Motivation stieg noch weiter an, indem er sich vorstellte, nach dem Museumsbesuch ein Stück Kuchen essen zu gehen.

Als Herr Renner über seinen Plänen schwelgte, kamen einige zusätzliche Ideen hinzu, unter anderem, was er sonst noch zu erledigen hat. Er schob das Vorhaben in das Museum zu gehen auf. Zu aller erst las Herr Renner die Programme der verschiedenen Museen, blätterte die Programme durch und konnte sich nicht entscheiden, welches von den Museen, für ihn das interessanteste ist. Nachdem er sich für ein Museum entschieden hatte, suchte er nach wissenschaftlicher Literatur und recherchierte im Internet über die Epoche, die jeweiligen Rezessionen, zu guter letzt las er den ein oder anderen Artikel in Englischer Sprache, um auf Nummer sicher zu gehen. Nachdem er dies getan hatte, rief er zusätzlich seinen Bruder an um ihn zu fragen, ob er in dem Museum schon gewesen sei.

Kritisch dachte er nach und argumentierte innerlich, wie er wohl im Museum vorgeht, wenn er es endlich hingeschafft hat.

Herr Renner, der sowieso etwas unsicher scheint, informierte sich lieber noch einmal bei der „Deutschen Forschungsgemeinschaft“ (DFG) und hätte sich am aller liebsten auch bei der DFG- Kommission gemeldet- das schien ihm aber doch etwas übertrieben. Nachdem er alles mögliche durchdacht hatte, schrieb er alles noch mal wissenschaftlich auf und dachte sich während dessen: „wie schreibt man eigentlich einen wissenschaftlichen Text?“ Stilfragen kamen ihm überhaupt nicht in den Sinn, da er eher pragmatischer Natur ist.

Auf einmal ereilten ihn überdies Schreibblockaden die er versuchte mit Schreibübungen zu unterbinden. Er schrieb über die Probleme, bildete Assoziationen, fertigte ein Clustering an, versuchte free writing, bildete eine Schreibgruppe und verfasste ein Journal- aber alles half nichts. Er war verbittert!

Er dachte nach, versuchte sich zu sammeln, bis er auf die Idee kam eine Präsentationstechnik anzuwenden und orientierte sich anhand von einem Vortrag und einem Poster. Er fühlte sich gleich besser.

Es dämmerte ihm:“ vielleicht sind diese ganzen Lernstrategien für ein Museumsbesuch doch ein wenig übertrieben.“

Herr Renner eilte schnell zum Yoga. Es wurde ihm alles zu viel. Durch Yoga fühlt sich Herr Renner von allem Stress befreit und leicht, besonders im Geist und im Rücken.

Am Ende ging er doch nicht ins Museum. Daniela Loeffke

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